Blumen für Balkon und Garten als Nahrung für Bienen, Hummeln und Co
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In diesem Artikel stellen wir euch unser Tomatenzucht-Projekt vor. Dabei wollen wir eine eigene Tomatensorte kreieren. Hierzu haben wir die einzelnen Schritte der Tomatenzucht in einer Übersicht erklärt. Und ihr findet weitere Hinweise für einen sicheren Erfolg für euer eigenes Tomaten-Projekt.

Warum wollen wir Tomaten züchten?

Jeder von uns kennt, viele von uns lieben Tomaten – sie erfrischen uns im Sommer und der sonnig-saftig-süße Geschmack lässt uns vom Süden träumen. Hier in Kiel ist der Sommer oft kurz, immer wieder regnerisch und wirklich warm wird es… immerhin an einigen Tagen im Jahr. Trotzdem können wir auch hier im Norden leckere Tomaten anbauen! Die Auswahl an Tomatensorten, die kräftig gedeihen und reich tragen, ist allerdings klein, bedenkt man, dass die Vegetationszeit kürzer, die Temperatur niedriger, der Wind meist kräftiger und der Regen ergiebiger ist als in südlichen Gefilden. Dann noch eine Sorte zu finden und zu bekommen, die die eigenen optischen und geschmacklichen Wünsche erfüllt, kann schwierig sein (eine ausführliche und vor allem durchsuchbare Übersicht über Tomatensorten bietet zum Beispiel tomaten-atlas.de). Mit einem Gewächshaus lässt sich da schon nachhelfen, eine andere, sehr verlockende Lösung ist aber: einfach eine neue Sorte züchten!

Was brauchen wir für die Tomatenzucht?

Eine neue Sorte aus vorhandenen Tomaten zu züchten ist leicht umsetzbar – allerdings nicht von heute auf morgen. Wir wählen verschiedene Tomaten, die schon mehrere gewünschte Eigenschaften auf sich vereinen. Für eine Tomate „Kieler Sommer“ könnten das zum Beispiel sein:

  • eine möglichst kurze Vegetationszeit (von der Aussaat bis zur Ernte),
  • Freiland-Tauglichkeit, also eine gewisse Robustheit gegenüber Wind und Wetter,
  • die Farbe: rot, gelb, grün, fast schwarz oder doch lieber gestreift?,
  • Größe: zum Beispiel Cocktail-, Salat- oder Fleischtomate,
  • Form: rund, oval, flaschen- oder birnenförmig, usw.
  • und natürlich der Geschmack der Früchte!
  • Auch die Wuchsform wollen wir beachten, gibt es doch neben Stabtomaten auch Balkon- und Topf-/Hängetomaten („Paulinchen“ – siehe Bild unten).
  • Zudem brauchen wir eine ordentliche Portion Geduld, da das Ergebnis unserer Tomatenzucht erst im nächsten Jahr sichtbar wird und dann noch „gefestigt“ werden muss.

Im Ergebnis sind nun 10 Tomaten-Sorten ausgewählt. Diese werden in zwei Kleingärten und auf zwei Balkonen gepflegt.

Tomatenzucht HATO-Programm von Dreschfelgel-Saatgut.de

Tomatenzucht HATO-Programm von Dreschfelgel-Saatgut.de

Abschluss-Tipp für Wahl der Sorten
Beachten wollten wir, dass wir keine geschützten Sorten für die Tomatenzucht verwenden. So können wir später das Saatgut frei tauschen. Besonders gut sind für uns daher alte Sorten. Hier besteht meist kein Sortenschutz mehr.

Für den Eigengebrauch müsst ihr euch darum aber ohnehin keine Sorgen machen.

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Übersicht: So funktioniert die Tomatenzucht nun genau.

Arbeitsschritte Tomatenzucht- Übersich

Mit den folgenden 5 Schritten gelingt die Tomatenzucht einer eigenen Sorte:

  1. Tomaten vorziehen: Für die Tomatenzucht ziehen wir zuerst Pflanzen von all den Sorten vor, deren Eigenschaften wir einkreuzen möchten. Damit beginnen wir schon Ende Februar/Anfang März z.B. in kleinen Vorzuchtgewächshäusern auf der Fensterbank. So haben es die Tomatensamen warm und keimen gut – solange wir sie feucht halten! Bei gutem Wetter können wir die Pflänzchen ab Mitte April langsam an die Außentemperaturen und direkte Sonne gewöhnen. Dabei dürfen wir sie aber nicht über Nacht draußen vergessen – bis zu den Eisheiligen droht Nachtfrost!
  2. Von Hand bestäuben: Stehen die Tomaten dann im Garten oder in Kübeln und beginnen im Sommer eifrig zu blühen kommt der wichtigste Schritt: das gezielte Bestäuben. Möchte ich zwei Sorten Tomaten miteinander kreuzen, muss ich den Pollen der einen auf die Blüte der anderen Tomate bringen. Das überlassen wir nicht dem Zufall (also Hummeln und Bienen), sondern legen z.B. mit einem feinen Pinsel selbst Hand an. So spielen wir mal Bienchen für die Blümchen. Die so gezielt bestäubten Blüten markieren wir mit einem kleinen Faden oder Zettel, damit wir später wissen, welche reife Tomate zu welcher Kreuzung gehört.
  3. Saatgut gewinnen: Aus den reifen Früchten gewinnen wir das Saatgut für das nächste Jahr. Dafür halbieren wir die Früchte und sammeln einzelne Samen heraus. Die Tomatensamen kann man gut auf Küchenpapier trocknen, beschriften und für das nächste Jahr lagern.
  4. Eigenschaften beobachten: Die große Offenbarung folgt im nächsten Jahr. Jetzt säen wir die Samen aus den gekreuzten Tomaten, ziehen die Pflänzchen groß und beobachten, wenn möglich an verschiedenen Standorten (z.B. Freiland und Gewächshaus), welche Pflanze die gewünschten Eigenschaften zeigt.
  5. Eigenschaften festigen: Es kann durchaus sein, dass aus den Samen einer Sorten-Kreuzung sehr verschiedene Pflanzen wachsen. Daher bestäuben wir jede Pflanze (wieder von Hand) mit sich selbst, um die Eigenschaften zu festigen. Wir könnten jetzt auch weitere Sorten einkreuzen, um die Eigenschaften weiter zu verändern. Das „mit sich selbst bestäuben“ behalten wir noch weitere zwei-drei Jahre bei, um die Eigenschaften zu festigen. Am Ende haben wir unsere ganz persönliche Tomate!

Heute haben die ersten Tomaten „Paulinchen“ schon Blüten gezeigt:

Tomatenzucht mit Topf-Tomate Paulinchen

Tomatenzucht mit Topf-Tomate Paulinchen

Und jetzt: Viel Spaß bei Eurem Projekt zur Tomatenzucht. Einen grünen Daumen. … Und eine leckere Ernte.

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