Blumen für Balkon und Garten als Nahrung für Bienen, Hummeln und Co
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Eine Samentüte verursachen einen Hilferuf. Auch eine Untersuchung bewertet die Inhalte kritisch.

Die Pastorin einer Kirchengemeinde in Kiel fragt mich Anfang August, eine Bienenfläche zu retten: Aus einer Samentüte für Insekten blühte fast nur Gelbsenf. Diese schnell wachsende Saat ist eigentlich ein Gründünger aus der Landwirtschaft. Günstig und massenhaft vorhanden. Nichts, was Honig- oder Wildbienen nicht massenhaft finden könnten. Das Problem jetzt: Die schnell wachsende Senf-Saat hatte die anderen, für Wildbienen interessanten Pflanzen verdrängt.

Wildbiene auf Rainfarn - Exner

Wildbiene auf Rainfarn – Exner

Δ Abb. 1: Wildbiene auf Rainfarn (Foto Exner)

Kritisch: Samentüte aus dem Handel

Fast zeitgleich wies der NABU im August auf eine Veröffentlichungen der Bochumer Botanischen Vereinigung hin. Eine kritische Prüfung von „Samentütchen“ aus dem Handel. Unter dem Titel „Schmetterlingswiese, Bienenschmaus und Hummelmagnet – Insektenrettung aus der Samentüte“ sind C. Buch und A. Jagel mal den Angeboten auf den Grund gegangen. Untersucht haben die Autoren dabei Saatgut-Mischungen und Saatbomben aus dem Handel durch Aussaat. Die Ergebnisse lassen aufhorchen …

Schlechte Noten für Bienenweide & Co

Die Untersuchung C. Buch und A. Jagel lässt aufhorchen. Hier ein paar Ergebnisse

  • Bilder auf den Tüten sind oft nur beispielhaft und geben nicht den wirklichen Inhalt wieder.
  • Auch bei einer Beschriftung der Samentüte mit „Wildblumen“ waren „ausschließlich oder fast ausschließlich nicht einheimische Arten“ enthalten.
  • Die wirkliche Zusammensetzung des Saatguts war oft nicht benannt.
  • Ähnliche Ergebnisse hat die Beprobung auf verkaufte Saatgut-Bomben ergeben.

Die Untersuchung auf der Seite der Veröffentlichung zum direkten Download.

Die Autoren kommen zu der Vermutung:

„Vermutlich wurden vor allem Arten ausgewählt, die sich effektiv vermehren und deren Samen sich entsprechend kostengünstig herstellen lassen. Möglicherweise stammt ein nicht unerheblicher Teil in den Samenmischungen sogar aus Überschüssen sonstiger Produktionen, die sich in den undefinierten Mischungen noch gut vermarkten lassen.“ (S. 12)

Bei Artenvielfalt der Pflanzen (Stichwort Biodiversität) aus einer Samentüte fällt das Ergebnis bei Blühmischungen also schlecht aus.

Samentüte: Schutz von bedrohten Insekten-Arten?

Für die Artenvielfalt bei Insekten fällt das Ergebnis der Untersuchung ebenso deutlich aus: Auch hier: Mehr Gefahr als Nutzen! Besser als C. Buch und A. Jagel kann man dies nicht beschreiben:

„Festzustellen ist allerdings, dass gerade in den wenigen Wochen des Hauptblühaspekts zwar viele Insekten an den Blüten solcher Aussaaten zu finden sind, es sich jedoch in der Regel um häufige Arten ohne besondere Ansprüche handelt wie z. B. Tagpfauenauge (Abb. 27), Kleiner Kohlweißling und die allgegenwärtige Honigbiene (Abb. 28). Hier wäre also lediglich ein positiver Effekt auf die absolute Biomasse an Insekten nachvollziehbar. Betrachtet man jedoch die Arten der Roten Listen, wird klar, dass es sich bei den stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Insektenarten mehrheitlich um auf bestimmte heimische Pflanzenarten stark spezialisierte Arten handelt, die auf intakte Artengemeinschaften, natürliche Lebensräume und traditionelle Bewirtschaftung angewiesen sind.“ (S. 19)

Mein Fazit: Bei der Anlage einer Blumenwiese für Wildbienen und Schmetterlinge, sollte man auf verstärkt auf seltenere und einheimische Wildpflanzen achten. Die sind oft für die Arten der Roten Liste notwendig. Und die häufigen Arten können auch meist den Nektar und Pollen verwenden.

Meine Tipps für den Einkauf

1. Der beste Weg:

Das besten wäre immer der Einkauf von spezieller Saat. Insekten-freundliche Pflanzen und Wildblumen sollten nach Licht, Feuchtigkeit, Boden, usw. gemischt gepflanzt werden. Wähle nach einer Recherche die für Deine Region und den konkreten Pflanzen-Standort passenden einheimischen Wildpflanzen aus.

2. Wer weniger Zeit mitbringt und „einfach“ eine Samentüte nehmen will, sollte zumindest folgende Tipps beachten:

  1. Kaufe und verwende nur eine Samentüte mit einem Hinweis auf die Zusammensetzung. Bei Saatgut einiger Verbände oder der Stadt Kiel 2016 war diese z. B. online hinterlegt. So konnte jeder Gärtner schon die Pflanzen zur späteren Bestimmung eingrenzen.
  2. Der Untersuchung folgend solltet ihr die Maßnahme dokumentieren,
  3. … auf definierte Flächen beschränken und
  4. die Anzahl ausgebrachter Arten (…) übersichtlich halten.

Das zunehmende Interesse an Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten sollte nun genutzt werden: Bei so vielen Helfern können endlich auch die notwendigen Nischen für bedrohte Insekten versorgt werden. Helft mit, dass die seltenen Spezialisten auch ihre Pflanzen finden.

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