Blumen für Balkon und Garten als Nahrung für Bienen, Hummeln und Co
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18 neue Blühwiesen soll Kiel in den nächsten drei (3) Jahren bekommen. Das werden leider nur 6 pro Jahr sein. – Die Ratsversammlung von Kiel hat am 16.05.2019 beschlossen, 18 weitere öffentliche Grünflächen im Kieler Stadtgebiet in Blühwiesen umzuwandeln (s. Drucksache 0326/2019). Darüber informierte die Amtsleitung des Grünflächenamts die Ortsbeiräte von Kiel per Schreiben unter dem 25.06.2019. Nun wird in den Ortsbeiräten der Stadtteile nach den entsprechenden Flächen bis zum 31.10.2019 für die „neuen“ Blühwiesen gesucht.

Alte Blühwiesen in Kiel - Foto Exner (Aug. 2019)

Alte Blühwiesen in Kiel – Foto Exner (Aug. 2019)

Dank der nicht ganz überraschenden Sommerpause beginnt gerade erst die Suche: Auch ich war bei zwei Sitzungen von Ortsbeiräten zu dem Thema dabei.

Wo will Kiel Blühwiesen einrichten?

Der Katalog der Anforderungen an die neuen Flächen ist nicht gerade kurz:

„Für eine erfolgreiche Umwandlung in eine Blühwiese sind die richtigen Standortfaktoren der Fläche, wie Bodenverhältnisse, Exposition und Lichtverhältnisse eine wichtige Voraussetzung. Optimal für eine blütenreiche Blumenwiese ist ein trockener, nährstoffarmer und besonnter Hang in Südwestausrichtung. Des Weiteren spielen u.a. die Funktion als z.B. Erholungsfläche, gestalterische Aspekte oder die von der Stadt als Eigentümerin zu leistende Verkehrssicherheit für die Entscheidung, ob eine Umwandlung in Frage kommt, eine wichtige Rolle.“ aus: Amtsleitung des Grünflächenamts von Kiel, Schreiben an die Ortsbeiräte vom 25.06.

Welche Lösungen werden angeregt?

Die Stadt behält sich die Art der Umwandlung zur Blühfläche noch vor. Das erhöht die Anzahl möglicher Flächen. Die Vorhersehbarkeit der Auswahl wird aber unklar: Was sollen die Ortsbeiräte nun vorschlagen? Nach zwei Sitzungen und einem persönlichen Bericht über eine dritte Sitzung herrscht offenbar große Unklarheit in den Ortsbeiräten. Völlig unterschiedlich ist die Auffassung, wie die Vorschläge denn nun aussehen sollen.

Meine Meinung: Das Insektensterben ein zentrales Bürgerthema. Ein Thema das viele Menschen mitreißt. Gärtnerinnen, Bienen-Paten und Verbände engagieren sich auch in Kiel. Und wie werden diese Interessen vor Ort eingebunden? Die gewählte, d.h. formale Schiene zur Beteiligung über Ortsbeiräte – überladen mit vielen anderen Themen nach dem Sommerloch – gestaltet sich, na ja, bestenfalls „schwergängig“ oder gar nicht. Und die Umsetzung liegt ganz bei der Stadt. Zentrale Maßnahmen halt. Warum?

Fachliche Hinweise der Stadt Kiel

Die Grundvoraussetzung für die Umwandlung in eine Blühwiese:

„In Frage kommen i.d.R. intensiv gepflegte Rasenflächen im städtischen Eigentum, die nicht mit an­deren Nutzungen belegt sind.“ Quelle, wie oben

Aus dem o.g. Schreiben werden dann weiter fachliche Hinweise erteilt. Hier die fachlichen Erklärungen mal mit einer eigenen Nummerierung:

  1. „Eine Möglichkeit ist das Umbrechen der jetzigen Grasnarbe und eine anschließende Aussaat mit einer passenden Saatgutmischung. Hierbei würde ein deutlicher Blüheffekt sich bereits im folgenden Jahr bemerkbar machen.“
  2. „Denkbar ist auch eine Extensivierung der Flächen. Hierbei werden die bisher 10-12-mal im Jahr gemähten Rasenflächen zukünftig nur noch 1-2-mal jährlich (im Juni/Juli und September) gemäht. Die Entwicklung der Flä­chen wird der Natur überlassen (Rewildung). Erfahrungsgemäß entwickeln sich diese Flächen ab­hängig vom Standort oft nach wenigen Jahren zu blütenreichen Mähwiesen.“
  3. „Eine weitere Alternative insbesondere für den innerstädtischen Bereich ist die Anlage von Perennemixbeeten (auch bekannt als Staudenmischpflanzungen). Hier wird der Boden ausgetauscht und in ein spezielles Substrat ausgewählte artenreiche Staudenmischungen gepflanzt, die fast das ganze Jahr über blühen. Die Anlage dieser Flächen ist aufwändig und kostenintensiv und kommt deshalb nur für kleine baulich eingefasste Flächen in Frage.“
    Quelle, wie zuvor

Die Optionen zeigen einen (etwas wilden) Mix aus zeitlichen Aspekten, Kosten der Maßnahmen bis zu einem teuren ökonomisch-ökologischen „Komplett“-Paket. Welche Vorschläge der Stadt Kiel dann unterbreitet werden sollen, ist nicht so recht klar. Insbesondere Zielkonflikte mit einer „anderen Nutzung“ sind nicht vorgezeichnet.

Kommentar: Extensive Blühwiesen oder Sparmaßnahme?

Kiel will sich nun von den “intensiv gepflegte Rasenflächen“ trennen. Sicherlich nicht von der Liegewiese im Schrevenpark. Dennoch wird leider nicht auf Bürgerbeete, Quartiersgärten oder andere soziale Formen insekten-freundlicher Stadtplanung zurück gegriffen. Dies könnte bei vertretbaren Kosten intensives und nachhaltiges Flächen-Management ermöglichen. Hat man nur das Hype-Thema von „mehr Insekten-Schutz“ aufgegriffen? Sind die sozialen Belange an mehr und vielfältigem Grün angemessen berücksichtigt? Der Vorschlag von „geeigneten“ Flächen erscheint jedenfalls den Ortsbeiräten deutlich erschwert: Der lokale, bürgernahe Ansatz für mehr Blühflächen im Stadtteil bleibt unausgesprochen.

Meine Meinung: Da eine (teure) Entsiegelung von Flächen gar nicht vorgesehen wird, sind wirtschaftliche Gründe wohl vorrangig. An Insekten wird auch gedacht. O.K. das ist auch überfällig und ökologisch notwendig. Aber der Bürger wird nur Konsument und Betrachter bleiben können. Mehr grüner Raum vor der eigenen Haustür: Nur nicht mitmachen? Besser wäre doch: (1) Mehr Asphalt zu Grün! (2) Mitgestaltung durch Bürger ermöglichen. Das wäre ein moderner Ansatz für eine nachhaltige Stadtplanung in Kiel.

2 Antworten auf 18 neue Blühwiesen für Kiel

  • 18 Blühwiese, das ist ein tolle Entwicklung! Ich denke übrigens schon lange, dass einfach seltener mähen – wie in diesem Artikel beschrieben – auch schon viel bringt. So mache ich das bei mir im Garten, die erste Mahd erst nachdem die Frühlingsblüher durch sind. Allein mit dieser einfachen Maßnahme, die auch noch Arbeit spart, hat man schon etwas für die Bienen getan.

  • Hallo Usula, seltener mähen ist ein guter Ansatz. Viele kleine Wiesenpflanzen haben so überhaupt erst eine Chance.
    Dazu kannst Du im Garten noch eine kleine Idee umsetzen: Da zum Teil noch Raupen von Schmetterlingen oder andere Insekten an den Pflanzen sind (oder sein können), versetzt mähen. Damit ist gemeint, eine oder mehrere Teil-Fläche nochmals ein bisschen stehen zu lassen.
    Bei einem großen Garten kannst Du Dir zudem so die Arbeit gut einteilen. Und die kleinen Freunde und ihre Nachkommen finden’s (noch) besser!

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